Interview Prof. Dr. Lars Donath

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Interview mit Prof. Dr. Lars Donath von der Deutschen Sporthochschule Köln


Die Deutsche Sporthochschule Köln ist Deutschlands einzige und Europas grösste Universität auf dem Gebiet der Sportwissenschaft. Prof. Dr. Lars Donath leitet die Abteilung Trainingswissenschaftliche Interventionsforschung am Institut für Trainingswissenschaft und Sportinformatik der Deutschen Sporthochschule Köln. Der Dividat Senso wurde in einer kürzlich veröffentlichten Studie integriert und Prof. Dr. Donath gibt uns kurzen Einblick in seine Forschung.

(Link zur Studie)


Guten Tag Herr Prof. Dr. Donath. Vielen Dank, dass Sie sich Zeit für dieses Interview nehmen. Was sind Ihre Schwerpunkte in der Forschung?

Wir schauen uns akute und chronische Anpassungen an körperlichem Training über die gesamte Lebensspanne an. Wir schauen uns also an, wie sich Kraft, Gleichgewicht und Ausdauer entwickeln und wie wir sie im Sinne der optimalen sportlichen Leistung oder der Erhaltung/Wiederherstellung der Lebensqualität positiv beeinflussen können. Dazu messen wir beispielsweise Muskelaktivität, Muskelquerschnitte, Maximal- und Schnellkraft, oder setzen verschiedene Trainingskonzepte ein und überprüfen deren Effekte bzw. Wirksamkeit.

Unter anderem beschäftigen Sie sich mit "Agility-basierten" Trainingsansätzen für Senioren. Was sind "Agility-basierte" Trainingsansätze?

Das Agility Konzept ist bekannt aus dem Teamsport. Es beschreibt im Wesentlichen das Testen und Trainieren multidirektionaler Handlungsfähigkeit in sportlichen bzw. alltagsrelevanten Settings. Im Grunde beinhaltet es die Orientierung im Raum, das Starten und Abbremsen und verschiedenen Kraft (reaktiv- und schnellkräftig) und Gleichgewichtskomponenten (statisch, dynamisch).  Durch ein zunehmend komplexeres Einbinden dieser Faktoren, kann man Sportler und Senioren mit spezifischen Übungen trainieren, die sie dann auch im Alltag umsetzen können. Das ist deshalb wichtig, da wir wenig Transfereffekte von einer trainierten Übung auf eine untrainierte Übung haben. Aus diesem Grund müssen wir „key-motions“ detektieren und diese spezifisch testen und trainieren. Das kann im Rahmen der Sturzprävention anders sein als im Fussball oder Eishockey.

Welche Rolle spielt das Balancetraining bei der Sturzprävention bei Senioren?

Gleichgewicht und Kraft spielen eine besondere Rolle. Übersichtsarbeiten von Cathie Sherrington aus Sydney haben zeigen können, dass man durch anspruchsvolles und abwechslungsreiches Gleichgewichtstraining bis zu 50% Stürze reduzieren kann. Im Durchschnitt sind es aber lediglich 20%. Die hohen Reduktionen treten auf, wenn das Training herausfordernd und an die 3h pro Woche durchgeführt wird. Krafttraining hingegen fördert den Erhalt der Muskelmasse und -kraft. Der Rückgang ab der 5. Lebensdekade ist enorm. Insbesondere was die Kraft betrifft. Das kann bis zu 4% pro Jahr bedeuten. Wir sollten also immer auch die Kraft im Blick behalten.

Sie haben kürzlich eine Studie veröffentlicht. Können Sie uns diese beschreiben? Was war ihr Ziel und welche Resultate haben Sie erhalten?

Wir haben in einer Trainingsstudie zwei Systeme kombiniert. Den Senso und das Posturomed. Hintergrund war, dass wir virtuelle Spiele des Sensos von Dividat unter instabilen Standbedingungen schwerer machen wollten. Das ist uns auch gelungen. Die Beanspruchung war für die Senioren höher als unter stabilen Senso Bedingungen..., allerdings hat sich dieser Effekt nach 8 Wochen verwaschen. Das heisst, wir müssen immer wieder Spiele mit erhöhten, ansprechenden und anspruchsvollen Steigerungsmöglichkeiten anbieten und entwickeln. Diese Spiele können dabei auch Alltagsszenarien abbilden und somit möglicherweise auch alltagsrelevante Anpassungsreaktionen hervorrufen.

Was waren die Beweggründe, dass sie den Dividat Senso in der Studie integriert haben?

Virtuelle Trainingsszenarien sind ansprechend und lassen sich gut steuern und dosieren. Das ist für alle Altersgruppen sinnvoll. Wir wollten aber den Senso als SensoSwing auf die nächste Evolutionsstufe stellen, um Variation und Progression im Training mit dem Senso anbieten zu können.

Vielen Dank!